Dudamel

Ein Feuerwerk, es ist ein Feuerwerk für die Ohren, die Sinne, das Gefühl, immer noch, das ist geblieben. Vor vierzehn, fünfzehn Jahren das erste Mal: der Venezolaner Gustavo Dudamel, Anfang zwanzig, leitete das venezolanische Simón-Bolívar-Jugendorchester, Dirigent jung, Orchester jung, welch ein Orkan, welch eine Leidenschaft, Lebensfreude pur. Junge Musiker, immer in Bewegung, sie stehen auf, sie setzen sich, sie tragen bunte Trainingsanzüge in den Farben der Nationalflagge Venezuelas. Das Publikum ist hingerissen, das ist neu, das ist frisch, da springt der Funken über. Ein Abend, einmalig und unvergessen.

Und jetzt, heute? Sie sind erwachsen geworden, die jungen Musiker, aus dem Jugendorchester ist das Simón-Bolívar-Sinfonieorchester geworden. Ob die Besetzung vollständig dieselbe ist wie früher, weiß man nicht, es sind einige jüngere Gesichter dabei, aber wir sehen: gewachsene, etablierte, begeisterte Musiker, immer noch kein Anflug von Aufgesetztheit oder Selbstzufriedenheit, aber selbstsicheres Musizieren auf höchstem Niveau. Da hat sich was entwickelt unter der Leitung von Dudamel, gerade noch 34 Jahre alt, dem Ausnahmetalent, der daneben auch Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestras ist. Der jedes  große Orchester dieser Welt dirigieren könnte oder schon dirigiert hat oder noch dirigieren wird.

Das Besondere, und das bleibt wohl weiterhin das Geheimnis der großen Spielfreude: Das Orchester setzt sich zusammen aus Musikern, die „El Sistema“ durchlaufen haben und zum größten Teil erst durch dieses staatlich geförderte Programm Venezuelas zum Musizieren gebracht wurden. „El Sistema“ zielt seit 1975 auf Kinder aus benachteiligten sozialen Verhältnissen, will sie zur Musik führen und wenn möglich in ein besseres, zumindest erfüllteres Leben, will Möglichkeiten eröffnen, wo nichts möglich scheint.

In einem Land, das nicht frei ist von politischer Kritik, scheint dieses Programm hervorragend zu funktionieren. Denn auch beim Sinfonieorchester sind geblieben, spürbar und hörbar auch heute noch: Leidenschaft, Begeisterung, das Brennen für den Augenblick, für die Töne, die gerade jetzt gespielt werden, es herrscht höchste Konzentration. Stravinsky ist es diesmal, nicht einfach, weder für Orchester noch Publikum, aber glühend vorgetragen, mit klaren, feinen Tönen, sie hüpfen herum zwischen Bläsern und Streichern, bauen sich auf, verstummen abrupt. Das begeistert auch Menschen, die keine ausgesprochenen Klassik-Fans sind, die Jazziges heraushören und die die großen, eingängigen Melodien nicht vermissen.

Musik, die das Leben der Musiker verändert hat. Und ein Abend, der auch heute wieder einmalig bleibt.

 

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