Samstagnachmittag

Samstagnachmittag, 15.30 Uhr, stille Zeit, heilige Zeit, wenn Fussballdeutschland abtaucht ins Wesentliche, das Stadion. Hunderttausende sind dann auf den Beinen, bundesweit, den Alltag vergessen, die Woche davor, eine Völkerwanderung rund um die Stadien, was oder wer sonst bringt so viele Menschen auf die Straße? Es ist ein ruhiges Vorankommen, das Ziel ist klar, keine Eile geboten, kurzer Austausch, kurzes Fachsimpeln in der Bahn, im Bus, Stadionwurst und Bier, schreien und grölen und trommeln, die allermeisten ohne Gewalt, das ist das Gute daran.

Man muss nicht Fan einer bestimmten Fussballmannschaft sein, um von der Institution Fussball fasziniert zu sein und von der Massenbewegung, die ein so kleiner Ball jedes Wochenende während der Spielzeit auslöst. Im besten Fall werden alle ihre Aggressionen los, bei der Gymnastik im Stadion, aufstehen, wenns spannend wird, hinsetzen, wenn die Aufregung verpufft, dazwischen singen und rufen und tröten, nicht zuletzt: fachkundig kommentieren.

Außerdem Charakterstudien frei Haus, die Wissenden, die Essenden, die Mampfenden, die Freiluft-Pinkelnden, die Bunten, die Drängler, die Helfenden, die Suchenden, die Lustigen, alles dabei, man selbst ja auch. Crowd Control auf deutsch, also kaum vorhanden, weitgehend unbehelligtes Bewegen, alle paar Meter gelbe Westen, und das Einsammeln der leeren Flaschen außerhalb des Stadions wird überlassen denen, die es übernehmen, freiwillig oder aus Not, immerhin geht nichts verloren, vielleicht ist es sogar noch eine gute Tat.

Natürlich, die Angst ist dazugekommen, begleitet den Weg ins Stadion, seit Paris, seit Hannover, das ist nicht mehr wegzureden, damit muss jeder klarkommen, aber auch die Kontrollen sind verstärkt worden, das könnte man sich zumindest einbilden. Wie auch immer, es hält nicht ab, sobald die erste Erinnerung verblasst ist, sind wieder viele auf den Beinen und ziehen ihrer Wege zu den großen Ereignissen, die begeistern können und Emotionen wecken, die daheim auf dem Sofa nicht zu finden sind.

Und parallel zum Stadionbesuch füllen sich die Fernsehabteilungen der großen Elektronikanbieter in den Einkaufszentren der Städte, ganz beiläufig, wie nebenbei, ach, wie komme ich denn gerade hier her, den Blick auf die Live-Schaltung gerichtet, die Spiele streben ihrem Ende zu, von allen Bildschirmen gleichzeitig Beine, Bälle und Grün, überall Köpfe über den Regalen, die schauen und mitgehen und gebannt sind, ach Du auch hier, so ein Zufall.

In anderen Ländern ist es ja nicht anders; massenmobilisierende Sportbegeisterung, wohin man schaut, Baseball in den USA, ein Familienereignis, oder American Football, mit einem Finale, das gerade erst auch zwei Millionen deutsche Zuschauer verfolgten, in Australien sind es Pferderennen, jede Provinzstadt hat ihre Rennbahn und beim Melbourne Cup, the race that stops a nation, da stehen die Uhren still im ganzen Land, Cricket in Indien, englisch geprägt und Überbleibsel der Kolonialzeit, und natürlich immer wieder Fussball, in Europa sowieso, in Südamerika nicht minder.

Solange alles friedlich bleibt, ist das faszinierend. Kollektive Auszeit, einmal die Woche, zusammen mit zehntausend, hunderttausend anderen alles hinter sich lassen. Was will man mehr. Solange alles friedlich bleibt, ist es ein geschütztes Plätzchen für große Emotionen, zumindest für ein paar Stunden.

Wünschen wir, dass das so bleibt.

 

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Eine Höhle

Jedes Tier hat eine Höhle, nur der Mensch hat keine.

Unsere Wände sind porös geworden, durchlöchert von allgegenwärtiger Information, sie kommt von allen Seiten, Radio, Zeitung, Fernsehen, und vor allem und immer wieder, Internet, jeder Einzelne ist sein eigener Chefredakteur, sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag, manchmal auch im Minutentakt. Wenn wir wollen. Und wie wir das wollen. Und nicht nur das, Dauerdiskussionen auf allen Kanälen, viele haben was zu sagen, zu allem und jedem, Kommentare zuhauf, medialer Dauerstammtisch und manchmal auch ein bisschen anspruchsvoller. Wenn wir wollen. Und wie wir das wollen.

Da prasselt viel auf unsere Köpfe ein, den ganzen Tag, die halbe Nacht, und das neben dem ganz normalen Leben, dem Alltag, dem Machen und Tun für sich selbst und andere.

Jedes Tier hat eine Höhle, nur der Mensch braucht keine?

Denn andererseits: nichts ist vergleichbar mit dem menschlichen Gehirn, seiner Verarbeitungskapazität, seiner Auffassungsgabe, auch dem Speichervermögen, im Bewussten und im Unbewussten. Gravitationswellen sind nachgewiesen, vom Genie Einstein vorhergesagt, nach hundert Jahren von einem riesigen Team bewiesen, an jeder Ecke auf der Welt wird geforscht und entdeckt, gefunden und erfunden. So elastisch kann unser Gehirn sein, bei manchen mehr, bei manchen weniger, aber ein bisschen bestimmt auch bei uns, den Nicht-Genies, also was solls, warum nicht auf Dauerzufuhr stellen? Warum sollen wir nicht wollen?

Vielleicht verpassen wir ja nichts? Vielleicht tut es ja gut, uns zumindest zeitweise vom Informationsfluss abzuschneiden, abzuschalten, abends die Nachrichten im Fernsehen, fünfzehn Minuten wohldosiert, vielleicht noch morgens eine Zeitung aus Papier oder zumindest die Schlagzeilen, und dann: nichts mehr. Denn: man verpasst nichts. Alles Wichtige dringt durch, da kann man sicher sein. Nur der Sack Reis in irgendwo nicht, aber der kann uns ja auch zunächst mal egal sein. Aber jede große und bedeutende Nachricht kommt an. Sicher. Verlässlich. Ohne eigenes Tun.

Ein guter Zeitpunkt, gerade jetzt, jede Religion hat ihre Fastenzeit, und auch ohne religiösen Bezug ist medizinisches Heilfasten schwer angesagt, angesagt zu verzichten in Zeiten der allgegenwärtigen Verfügbarkeit, auf bestimmte oder alle Nahrungsmittel, auf Vergnügungen, Verlockungen, die kleinen und großen Laster, vorgegebener Verzicht oder selbst gewählter, alles ist machbar und wird gemacht, auf Zeit.

Warum also nicht mal Fasten auf ein Zuviel an Information. Heilfasten für die Birne. Wenn wir das wollen. Und wie wir das wollen. Wie genial.

Jedes Tier hat eine Höhle, und auch der Mensch braucht eine.

Wassermusik

Lasst uns auf einen Trip gehen. Lasst uns in Sprache eintauchen, so ungeheuerlich und unbändig, wie lange nicht gelesen, lasst uns mitfiebern mit Carakteren, so gaga und sonderlich und lebendig, wie kaum je einem Buch entsprungen, lasst uns mit offenem Mund lesen und den Kopf schütteln, lasst uns die Zeit haben für 570 Seiten einer aberwitzigen Geschichte und irren Wendungen, lasst uns herbeisehnen, dass das aufgeblasene Großmaul ohne nennenswerte Fähigkeiten, diese Niete, endlich auffliegt, lasst uns hoffen, dass der kleine Ganove doch noch sein Stück Gerechtigkeit erfährt, in seinem Leben und in diesem Buch, lasst uns lesen „Wassermusik“ von T.C. Boyle.

Das Erstlingswerk von Boyle, neu erschienen in einer Neuübersetzung 2014, es läuft über an allen Ecken, ist fulminant und opulent und was einem noch so alles an lautmalenden Fremdwörtern einfällt, wenn Mensch etwas liest und das Gefühl hat, er steht zu nah am Bahnsteig, ein Schnellzug rast vorbei, der Zugwind so stark, dass er wankt, sich aber gerade noch halten kann, schon ist der Zug vorüber, und er atmet tief durch und fragt sich, was war denn das. Erzählt wird die Geschichte des Schotten Mungo Park, der als erster Weißer den Verlauf des Niger erkunden soll, zwei Forschungsexpeditionen dorthin unternimmt, blauäugig und blind agiert, aber immer wieder Glück hat und zum Glück obendrauf seinen fähigen farbigen Assistenten Johnson, den Feingeist. Parallel zur ersten Afrikareise tritt in England Ned Rise auf, der Kleinganove, der von Anfang an keine Chance hat, diese aber gewitzt und durchtrieben nutzt, Stehaufmännchen und Leichenfledderer, der sich durchschlägt und von der Liebe überwältigt wird, der in aller Ungehobeltheit dem Leser sympathisch ist, dem man alles Glück dieser Welt wünscht.

In beiden Erzählsträngen, die sich irgendwann im letzten Drittel vereinen, lässt er kaum Zeit zum Durchschnaufen, dieser Boyle, und bombardiert mit Charakteren, einer denkwürdiger als der andere. Da ist Dassoud, der farbige Sohn eines Berbersultans, der menschgewordene Hulk, der Beißer, der nicht ablässt und mit übermenschlichen Kräften Mungo Park verfolgt. Oder Ailie Anderson, die eigensinnige und wissensdurstige Frau, die ausharrt und auf Mungo Park wartet, obwohl sie ihn eigentlich auf den Mond schießen sollte, oder Fanny Brunch, das unglückliche Dienstmädchen mit dem absurden Schicksal, und immer wieder Mungo Parks Assistent Johnson, intelligent, besonnen, umsichtig und doch tagelang mit einem verwesenden und bröckelnden Hühnerskelett am Hals, aus Aberglauben.

Es sind zwei Kapitel, die in England spielen und im Vergleich mit den teilweise überbordenden und saftigen Schilderungen aus Afrika eher schlicht daherkommen, die für mich hervorstechen und in Erinnerung bleiben, nämlich diejenigen, die Ned Rise‘ Geschichte dort einrahmen: „Weder Twist noch Copperfield, ja nicht einmal Fagin“ (S. 53 ff.), das von Geburt und Aufwachsen erzählt und „Väter und Söhne“ (S. 369 ff.), in dem Ned Rise noch einmal mit seiner Lebensgeschichte konfrontiert wird, nicht zum letzten Mal, diese Kapitel wirken unterschwellig unheimlich, es gibt kein Entkommen in dieser Zeit, in dieser Schicht, das hat etwas sehr Eindringliches, Bohrendes, und Neds Aufbruch nach Afrika ist schließlich zwangsläufig. Und dann auch herrlich, inmitten der ersten Afrikareise, die elegante und beiläufige Schilderung des Nilkrokodils, einer wissenschaftlichen Abhandlung gleich, und all ihre fatalen Folgen (S. 196 ff.).

Aber was wirklich zählt und der wichtigste Grund, dieses Buch zu lesen, das ist die Sprachgewalt Boyles, sein enormer Wortschatz, sein wortgewaltiges und dennoch lapidares und damit auch humorvolles und leichtes Erzählen, das sich nie um sich selbst dreht, sondern immer der Geschichte und ihrem Fortgang dient, das muss man mögen, dann ist es höchster Genuss.

Dann gilt: Lasst uns auf einen Trip gehen. Die einzige Nebenwirkung: Grandiose Unterhaltung.

Anmerkung:

T.C. Boyle, Wassermusik, neu aufgelegt Februar 2014, erschienen im Carl Hanser Verlag.

Psychologischer Popsong

Hilfe!

Um es vorweg zu nehmen, ein Geständnis: ich mag sie, alle, drehe das Radio im Auto so laut, dass die Rückbank aufschreit, oder ehrlicher: ich würde das Aufschreien hören, wäre das Autoradio nicht so laut, ich gröle mit, ok, irgendetwas setzt aus. Aber dennoch: Hilfe! Man wird sich ja mal Gedanken machen dürfen. Was ist los im chartfähigen deutschen Popsong, warum komme ich mir vor wie auf der Couch oder wie im Buchladen bei „Ratgeber, Lebenshilfe“, warum finde ich alle aktuellen psychologischen und pseudopsychologischen Themen geballt in meinen Ohren wieder. Identität, Intuition, Selbstfindung, einfaches Leben, Ballast loswerden, alles hinter sich lassen und das seit Wochen, nein, Monaten.

War der erste in der Reihe „Au Revoir“, die Hymne der Middle Ager, der Midlife-Crisis- Geschüttelten, Seitensprung ist out, einfach Abhauen ist in, noch mal von vorne anfangen, Tränen in den Augen, Zeitgeist. Oder war das schon „Nur mal kurz die Welt retten“, über das wir gleichzeitig lachen und weinen konnten, so sehr traf es den Nerv der Zeit, sich lustig machen, wie blöde muss man sein und gleichzeitig das Vibrieren des Smartphones spüren, das wieder ruft nach Tätigkeit, als ob jeder Normalo am offenen Herzen operieren oder ein DAX-Unternehmen leiten würde.

Und wenn das Weglaufen gerade nicht geht, dann zumindest erleichtert und befreit weitermachen, Ballast abwerfen, in Zeiten von erwerbbaren Abreißkalendern für das Entrümpeln von Wohnung, Kleiderschrank und Ich geradezu zwangsläufig: „Leichtes Gepäck“, 99% brauche ich nicht und den Rest ordne ich nach Wichtigkeit. Wie schön, dass es etwas gibt, das beim eigenen Ordnen und Priorisieren hilft und auch sonst im Wust gesellschaftlicher Normen und Erwartungen; es steigt fast zeitgleich in unser Ohr und klammert sich fest, die „Stimme“ ist es, auch Intuition genannt, Bauchgefühl, das, was sich nicht beweisen lässt, „also hör, was sie dir sagt“.

Der „Astronaut“ gehört natürlich auch dazu, er entsteigt einer grauen und unmenschlichen Welt und macht sich von ferne Gedanken, Gedanken, über eine Gesellschaft, oder gar Menschheit, die gar nichts mehr spürt und für die der Zug längst abgefahren ist. Kann da noch jemand aufrichten, das leicht depressive Sinnieren stoppen, mindlifting machen, Hoffnung zurückgeben? Klar, „Name drauf“, bei sich selbst sein, sein Ding machen, aufstehen, weitermachen, denn „am Ende hinterlässt du dem Rest der Welt das für was du stehst nicht wegen was du fällst.“

Wow. Und puh. War das schon immer so? Gut, es gab immer schon Grönemeyer, den Großen, der wortkarg und ausdrucksdicht Tiefsinniges in die Welt rief, so, dass es kaum jemanden unberührt ließ. Aber bitte, da ging es um Currywurst, Bochum und Einzelschicksale, vordergründig zumindest, nur einmal, da ließ er uns ganz nah an sich heran, so nah, dass die Nation im Rausch verglühte, durch „Mensch“, und nichts als Gänsehaut zurückblieb. Aber sonst? Die anderen Songs, so überwiegend? Liebe, Freundschaft, Partnerschaft, das Ich, das sich allenfalls am Du misst. Die üblichen Irrungen und Wirrungen halt.

Also ist es doch eine Tendenz, ein Spiegel des Zeitgeistes, ein kollektives die-Nase-voll-Haben, der unaufschiebbare Änderungswunsch, das Ich unter dem Mikroskop, 1000fach vergrößert, wer bin ich, was tu ich, was kann ich tun, damit es mir besser geht. Psychologie und omnipräsente Selbstverfeinerung, im Buchladen genauso wie im Radio, psychologischer Popsong, und der steigt regelmäßig ganz hoch in den Charts so wie Ratgeberlektüre den Markt überschwemmt, also: ein Massenphänomen.

Ja, und was bringt das jetzt? Der deutsche Popsong als Abbild unserer Gesellschaft, zumindest der fortysomethings? Mitten unter uns angekommen, mit uns gereift wie guter Käse oder guter Rotwein oder eine andere dieser faden Metaphern fürs Reifen und Altern? Ewige Selbstbespiegelung, Therapie durch Musik oder Visionen fürs Ich? Gar Ursachenforschung, warum brauchen wir das?

Wisst Ihr was, ich weiß es nicht. Nur hören tu ich es unnormal gerne.

Anmerkungen:

Songs und Interpreten:

„Au Revoir“ von Mark Forster

„Nur mal kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko

„Leichtes Gepäck“ von Silbermond

„Stimme“ von EFF

„Astronaut“ von Sido feat. Andreas Bourani

„Name drauf“ von Die Fantastischen Vier

Qigong

Der Rücken schwächer als vor zwanzig Jahren, vieles ausprobiert, erkundet, beibehalten oder verworfen, je nach Bedarf, jetzt also: Qigong. Chinesen vor Augen, Männer wie Frauen, im frühen Morgenlicht auf einer lichten Wiese, alt, sehr alt, aber das ahnt man nur, das sieht man nicht, vielleicht hängen die Augenlider etwas mehr als früher, entdeckt man graues Glänzen im dunklen Haar, aber die Bewegungen, sie sind sanft und elegant und konzentriert wie kaum je gesehen. Verlockend.

„Qi“, das soll sein die Lebensenergie, die durch regelmäßiges Üben („Gong“) bestimmter Bewegungsfolgen erhalten oder harmonisiert oder gestärkt werden soll, Bewegungen, über 1000 Jahre alt, die Kampfkunst und Konzentration und meditative Elemente umfassen und auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin ihren Platz haben. Anspannung und Entspannung, stilles Qigong und bewegtes Qigong, Yin und Yang, verwurzelte Beine und bewegter Oberkörper und natürlich: gut für alles.

Ob es hilft, ob es heilt, ob es gut ist für irgendwas, wer weiß das schon. Aber Wohlbefinden fängt nicht immer im Kopf an, ein Problem des westlichen Kopfes, der alles hinterfragt und alles begründet haben will, bevor er dem Körper erlaubt mitzumachen, sich einzufühlen in den bewegten Moment. Es kann auch ein schlichtes Spüren geben, das weiterhilft und das signalisiert: das ist gut, das tut mir gut, das braucht kein theoretisches Wissen, ohnehin selten wissenschaftlich belegbar. Und jedes Handeln „um zu“ bleibt wirkungslos, ermüdet auf Dauer, wenn nicht die Handlung selbst Genuss und Freude bringt, warum warten auf Effekte, wenn diese ungewiss sind, verheißen, aber nicht versprochen. Nur nicht alles hinterfragen.

Also bleiben die Bewegungen. Sanft, weich und leicht. Die Arme schweben, unangestrengt soll es sein, und wenn man es spürt, dann sieht es auch so aus und wenn es so aussieht, spürt man es. Ungewohnte Bewegungsfolgen, die Balance gilt es zu halten, die Koordination, rechte Körperhälfte, linke Körperhälfte, oben, unten, Yin und Yang, die Haltung gerade, das Gesicht entspannt, der Kiefer weich. Und der Kopf: leer. Konzentriert. Achtsam. Im Augenblick, zu viel gibt es zu koordinieren für den linearen Europäer.  Der Tag danach bringt Muskelschwere. Das Empfinden ist angenehm wohlig. Egal, für was es sonst noch gut ist.

Eine Spielart, das Duft-Qigong, Übungen, so rhythmisch und wohltuend wie ein sanftes Durchschütteln des ganzen Körpers, ein Tanz mit sich selbst, absichtslos und unbekümmert, im Westen noch nicht lange bekannt. Und warum nun „Duft“… nach längerer Praxis soll der Körpergeruch ein anderer werden… und außerdem stehe der Begriff „Duft“ im Buddhistischen für… aber Halt, Stopp, es kommt der Punkt, da muss der westliche Kopf sich schützen, da dürfen Zweifel am eigenen Tun nicht genährt werden, was als gut empfunden wird, soll auch so bleiben, ohne von außen kommende Erklärung, ohne Begründung. Besser zurück zu den Chinesen auf der lichten Wiese und jetzt auch: zum eigenen Empfinden.

Bloß nicht alles hinterfragen. Einfach machen. Es wird sich schon fügen.