Qigong

Der Rücken schwächer als vor zwanzig Jahren, vieles ausprobiert, erkundet, beibehalten oder verworfen, je nach Bedarf, jetzt also: Qigong. Chinesen vor Augen, Männer wie Frauen, im frühen Morgenlicht auf einer lichten Wiese, alt, sehr alt, aber das ahnt man nur, das sieht man nicht, vielleicht hängen die Augenlider etwas mehr als früher, entdeckt man graues Glänzen im dunklen Haar, aber die Bewegungen, sie sind sanft und elegant und konzentriert wie kaum je gesehen. Verlockend.

„Qi“, das soll sein die Lebensenergie, die durch regelmäßiges Üben („Gong“) bestimmter Bewegungsfolgen erhalten oder harmonisiert oder gestärkt werden soll, Bewegungen, über 1000 Jahre alt, die Kampfkunst und Konzentration und meditative Elemente umfassen und auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin ihren Platz haben. Anspannung und Entspannung, stilles Qigong und bewegtes Qigong, Yin und Yang, verwurzelte Beine und bewegter Oberkörper und natürlich: gut für alles.

Ob es hilft, ob es heilt, ob es gut ist für irgendwas, wer weiß das schon. Aber Wohlbefinden fängt nicht immer im Kopf an, ein Problem des westlichen Kopfes, der alles hinterfragt und alles begründet haben will, bevor er dem Körper erlaubt mitzumachen, sich einzufühlen in den bewegten Moment. Es kann auch ein schlichtes Spüren geben, das weiterhilft und das signalisiert: das ist gut, das tut mir gut, das braucht kein theoretisches Wissen, ohnehin selten wissenschaftlich belegbar. Und jedes Handeln „um zu“ bleibt wirkungslos, ermüdet auf Dauer, wenn nicht die Handlung selbst Genuss und Freude bringt, warum warten auf Effekte, wenn diese ungewiss sind, verheißen, aber nicht versprochen. Nur nicht alles hinterfragen.

Also bleiben die Bewegungen. Sanft, weich und leicht. Die Arme schweben, unangestrengt soll es sein, und wenn man es spürt, dann sieht es auch so aus und wenn es so aussieht, spürt man es. Ungewohnte Bewegungsfolgen, die Balance gilt es zu halten, die Koordination, rechte Körperhälfte, linke Körperhälfte, oben, unten, Yin und Yang, die Haltung gerade, das Gesicht entspannt, der Kiefer weich. Und der Kopf: leer. Konzentriert. Achtsam. Im Augenblick, zu viel gibt es zu koordinieren für den linearen Europäer.  Der Tag danach bringt Muskelschwere. Das Empfinden ist angenehm wohlig. Egal, für was es sonst noch gut ist.

Eine Spielart, das Duft-Qigong, Übungen, so rhythmisch und wohltuend wie ein sanftes Durchschütteln des ganzen Körpers, ein Tanz mit sich selbst, absichtslos und unbekümmert, im Westen noch nicht lange bekannt. Und warum nun „Duft“… nach längerer Praxis soll der Körpergeruch ein anderer werden… und außerdem stehe der Begriff „Duft“ im Buddhistischen für… aber Halt, Stopp, es kommt der Punkt, da muss der westliche Kopf sich schützen, da dürfen Zweifel am eigenen Tun nicht genährt werden, was als gut empfunden wird, soll auch so bleiben, ohne von außen kommende Erklärung, ohne Begründung. Besser zurück zu den Chinesen auf der lichten Wiese und jetzt auch: zum eigenen Empfinden.

Bloß nicht alles hinterfragen. Einfach machen. Es wird sich schon fügen.

 

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