Eine Höhle

Jedes Tier hat eine Höhle, nur der Mensch hat keine.

Unsere Wände sind porös geworden, durchlöchert von allgegenwärtiger Information, sie kommt von allen Seiten, Radio, Zeitung, Fernsehen, und vor allem und immer wieder, Internet, jeder Einzelne ist sein eigener Chefredakteur, sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag, manchmal auch im Minutentakt. Wenn wir wollen. Und wie wir das wollen. Und nicht nur das, Dauerdiskussionen auf allen Kanälen, viele haben was zu sagen, zu allem und jedem, Kommentare zuhauf, medialer Dauerstammtisch und manchmal auch ein bisschen anspruchsvoller. Wenn wir wollen. Und wie wir das wollen.

Da prasselt viel auf unsere Köpfe ein, den ganzen Tag, die halbe Nacht, und das neben dem ganz normalen Leben, dem Alltag, dem Machen und Tun für sich selbst und andere.

Jedes Tier hat eine Höhle, nur der Mensch braucht keine?

Denn andererseits: nichts ist vergleichbar mit dem menschlichen Gehirn, seiner Verarbeitungskapazität, seiner Auffassungsgabe, auch dem Speichervermögen, im Bewussten und im Unbewussten. Gravitationswellen sind nachgewiesen, vom Genie Einstein vorhergesagt, nach hundert Jahren von einem riesigen Team bewiesen, an jeder Ecke auf der Welt wird geforscht und entdeckt, gefunden und erfunden. So elastisch kann unser Gehirn sein, bei manchen mehr, bei manchen weniger, aber ein bisschen bestimmt auch bei uns, den Nicht-Genies, also was solls, warum nicht auf Dauerzufuhr stellen? Warum sollen wir nicht wollen?

Vielleicht verpassen wir ja nichts? Vielleicht tut es ja gut, uns zumindest zeitweise vom Informationsfluss abzuschneiden, abzuschalten, abends die Nachrichten im Fernsehen, fünfzehn Minuten wohldosiert, vielleicht noch morgens eine Zeitung aus Papier oder zumindest die Schlagzeilen, und dann: nichts mehr. Denn: man verpasst nichts. Alles Wichtige dringt durch, da kann man sicher sein. Nur der Sack Reis in irgendwo nicht, aber der kann uns ja auch zunächst mal egal sein. Aber jede große und bedeutende Nachricht kommt an. Sicher. Verlässlich. Ohne eigenes Tun.

Ein guter Zeitpunkt, gerade jetzt, jede Religion hat ihre Fastenzeit, und auch ohne religiösen Bezug ist medizinisches Heilfasten schwer angesagt, angesagt zu verzichten in Zeiten der allgegenwärtigen Verfügbarkeit, auf bestimmte oder alle Nahrungsmittel, auf Vergnügungen, Verlockungen, die kleinen und großen Laster, vorgegebener Verzicht oder selbst gewählter, alles ist machbar und wird gemacht, auf Zeit.

Warum also nicht mal Fasten auf ein Zuviel an Information. Heilfasten für die Birne. Wenn wir das wollen. Und wie wir das wollen. Wie genial.

Jedes Tier hat eine Höhle, und auch der Mensch braucht eine.

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