Uluru

Er war schon da, als wir noch nicht waren und wird noch da sein, wenn wir nicht mehr sind. Heilig ist er, dieser Hügel, nicht für die Touristen, aber für diejenigen, die seit zehntausenden von Jahren um ihn herum leben, roter Stein auf rotem Sand, grüne Büsche, als hätte ihn ein Riese aus dem All an diese Stelle geworfen, das muss immer schon beeindruckt haben. Ehrfurcht, die ein Inbesitznehmen ausschließt. So besteigen ihn nur Touristen, Aborigines nie, weil ihr Glaube es ihnen verbietet, aber schlau ist es außerdem, denn da oben kann es lebensgefährlich heiß sein. Brennende Sonne auf blankem Stein, Uluru oder Ayers Rock.

Die Magie dieses Ortes ist auch von unten zu spüren, die Erhabenheit, die Stille, der Wind; man kann ihn sich erlaufen auf dem Fußweg rundherum, ein paar Stunden, für die Wasser unentbehrlich ist. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge sind wie so oft die Lieblinge der Touristen, Zwischenwelten, die noch mehr rotes Glühen versprechen, allgegenwärtige Postkartenmotive. Doch auch ohne das Spiel der tiefstehenden Sonne strahlt er aus, dieser Inselberg, die rote Farbe, die Hitze des Tages und hunderte Millionen Jahre Geschichte. Und zieht unweigerlich an, hat von Nahem betrachtet mehr Falten und Verwerfungen, als vorher gedacht, denn er ist aus fast senkrechten Gesteinsschichten gebildet und belohnt den Aufbruch ins Nichts allein durch seine stille Existenz, die vor rund 550 Millionen Jahren begann.

Nur wenig weiter, in dreißig Kilometer Entfernung, Kata Tjuta, die Olgas, die zeitgleich entstanden und die aussehen wie der erste missglückte Wurfversuch des Riesen aus dem All. Eine Ansammlung riesiger roter Felsbrocken und Hügel, keiner für sich so groß und erhaben wie der große Bruder Uluru, dafür öffnen sie sich und erlauben die Besichtigung von innen, Wege durch Täler zwischen rotem Stein. Auch hier Stille und Wind und Sonne, in the middle of nowhere, mit etwas Glück fast allein. Und die Meisten führt der Weg danach noch einmal zu Uluru zurück, zu ungewöhnlich ist er, muss das Gedächtnis noch einmal erinnert werden an die Eindrücke, die noch so frisch sind, um sie haltbar zu machen.

Wir wissen nicht, mit welchen Fluggeräten und in welchen Geschwindigkeiten Menschen irgendwann in ferner Zukunft in das Campresort Yulara reisen werden, um sich aufzumachen zu den Steinhügeln in der Wüste. Wir wissen auch nicht, mit welchen Geräten und Bildschirmbrillen sie sich erste Informationen über dieses Naturereignis holen werden, ob sie noch touchen oder nur noch blinzeln und wie überhaupt ihre Welt aussehen wird. Vielleicht werden virtuelle Reisen echte ersetzen und fein vernebelte Glückshormone nebenbei positive Reisegefühle erzeugen. Aber auch dann noch werden Uluru und Kata Tjuta da sein, warten und strahlen und Hof halten. Wundersam berühren. Ganz analog.

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