Kopenhagen

Essen. Eigentlich geht es nur ums Essen. Vorbei die Zeiten nordischer Kargheit, Knäckebrot und eingelegtem Fisch, es wird aufgefahren, was das Zeug hält. Das Noma hat den Anfang gemacht und die Gastronomie der Stadt nachhaltig geprägt, jahrelang weltbestes Restaurant, immer noch zwei Sterne, und jetzt wirken überall Ex-Köche des Noma in Kopenhagen mit eigenen Restaurants und Konzepten. Allein sechzehn Sternerestaurants gibt es aktuell in der Hauptstadt, von einem bis drei Sternen ist alles dabei. Organic food ist der Standard, nicht die Ausnahme und „fermentiert“ das Wort der Stunde, das kontrollierte Nachreifenlassen von Lebensmitteln, das sie haltbar macht und vitaminreicher und außerdem besondere Geschmackskitzel bietet.

Rundherum, das Licht, die Architektur, die Kleidung, die Brillen, alles ist nordisch klar, distinguiert und doch lässig, aktuelles Trendvorbild, weil Opulenz und besonnene Zurücknahme sich immer abwechseln. Und schon lockt der Mittagstisch, Smørrebrød, reich belegte Butterbrote, immer wieder Vollkorn, mit üppiger Auflage, Lachs und Kabeljau, Roastbeef und Tatar, Avocado und Ei, an jeder Ecke mit viel Sorgfalt gelegt und gerollt, alle rühmen sich des besonderen „Twists“, den man sieht und schmeckt.

Die kleine Meerjungfrau, das Wahrzeichen der Stadt, verschwindend klein und zart, sie muss ein Wahrzeichen geworden sein, als Kleinigkeiten noch wahrgenommen wurden, so wie auch das Manneken Pis in Brüssel ja winzig ist verglichen mit seiner Bedeutung. Und Kopenhagen bietet noch so viel mehr: Die älteste Monarchie Europas, die Schlösser, die Börse, die Kirchen und Parks, das Studentenviertel, buntes Treiben. Das ruft nach Stärkung, jetzt kochen junge Wilde, Ziegenkäse, Fenchelsamen, dehydrierte Möhren, Mandelmilch, Radieschen und Pflaumen, fermentiertes Kartoffelbrot, Kaffeekekse mit Marshmallow, alles nicht sternegekrönt, man möchte sich gar nicht ausmalen, was dann wohl noch geboten würde.

Außerhalb der Stadt liegt ein Refugium, das Museum Louisiana, ruhig und unaufgeregt wird moderne Kunst gesammelt und gezeigt, viel Licht durch riesige Fenster, Rasen, Skulpturen, der Blick nach Schweden über den Øresund, Verweilen ohne Zeitgefühl. Auf so viel Ruhe darf Rummel folgen, ab in den Streetfood Market Kopenhagens, Bierbänke und Essstände in einer alten Lagerhalle. Hier ist die Welt zu Gast für kleines Geld, dänisch, japanisch, brasilianisch, Stand für Stand präsentieren sich Leckereien. Verzehren kann man sie auch draußen, an Tischen oder in Liegestühlen mit Blick auf Schauspielhaus und Oper, architektonische Highlights direkt am Wasser aus jüngster Zeit. Überall Menschen, Paare, Freunde, Familien, ein geselliges Gewusel, wie hier wohl der Sommer aussieht?

Boote fahren durch Christianshavn, die Aussteigergemeinde Christiania fasziniert, es gäbe noch so viel zu entdecken in dieser kleinen, feinen Stadt, so viel zu kosten und zu probieren… Essen, eigentlich geht es (fast) nur ums Essen.

København, nyd dit måltid. Kopenhagen, guten Appetit.

Anmerkungen:

Das Foto zeigt ein Smørrebrød mit Kabeljau im Restaurant Almanak im The Standard, Kopenhagen.

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