Kleine weiße Insel

Paris meets Pirates, die kleine Insel an der französischen Atlantikküste, weiße flache Häuser mit roten Dächern, Pinien und Dünen, Salz und Sand, Hummer und Languste, Wind und Wellen, Bretagne light, die Ile de Ré. Dreißig Kilometer kurz, verbunden durch eine Hundeleine mit dem Festland, einer gut drei Kilometer langen Brücke, als könnte sie sich sonst auf und davon machen und fortschwimmen, und wer dieses Stück Land nicht kennt, kommt nicht in Verlegenheit, denn man kennt es nicht. Und das ist ein Vorteil.

Es liegt ein unaufgeregtes Summen über der Insel, vormittags, wenn alle Gäste sich aufmachen, die Zutaten für das tägliche Essen zu erwerben, nicht ohne sie aufmerksam zu begutachten und in Gedanken das nächste Festmahl durchzuspielen, Fisch und Fleisch, Gemüse und Obst und Patisserie vom Feinsten. Märkte, die überquellen mit Lebensmitteln in ungeahnter Qualität, hier Alltag, selbstverständlich und bezahlbar. Und das Summen setzt sich fort, wenn sich am frühen Nachmittag dieselben Gäste aufmachen an die Strände mit ihren Gezeiten und ihrer wechselnden Gestalt, dem hellen Sand und flachen Wasser, atlantisch kühl und sauber und einladend.

Die ganze Insel ist Natur pur, Fahrräder en masse, Salzgewinnung und Marschland, bunte Segel und Surfboards, Familien und Paare, Campingplätze und Hotels, draußen sein, Wind in den Haaren, Sonne im Gesicht. Abends wird es dankbar kühl, ungewohnt und erfrischend, Jacke oder Pullover sind unentbehrlich.

Und als hätten sie sich abgesprochen, die französischen Gastgeber, als müssten sie noch zusätzliche Werbung machen, sind sie phänomenal: freundlich, hilfsbereit, zugeneigt. Auf Französisch, auf Englisch, auf Deutsch. Und der deutsche Gast darf auch auf diesem winzigen Kleinod in Gedanken abdriften und sinnieren über unseren großen Nachbarn, die deutsch-französische Achse, Basis der europäischen Einheit, damals wie heute, und heute wichtiger denn je. Die große Genießernation, die wir klammheimlich beneiden ob ihrer Lässigkeit und Eleganz, ihres Käses, ihres Weins und ihres Honigs. Und jetzt auch um ihre kleine Pirateninsel im Atlantik.

Leben wie Gott in Frankreich. Wie lange ist es her, dass das der erste Gedanke war, der zu Frankreich einfiel?

Ile de Ré, à ta santé.

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