Hieronymus Bosch

Der große Maler und Visionär, geboren um 1450, gestorben 1516, zum 500. Todestag gab es 2016 europaweit große Werkschauen. Viel produziert hat er nicht, es sind knapp über 20 Werke, die ihm zugeschrieben werden, aber die haben es in sich. Allen vorweg die dreigliedrigen Altarbilder, sie faszinieren seit 500 Jahren und immer noch, Der Heuwagen, Die Versuchung des heiligen Antonius, Der Garten der Lüste. Es mögen kunsthistorisch Berufenere im Einzelnen zu Hieronymus Bosch‘ Leben und Werken Stellung nehmen, hier soll es um etwas anderes gehen: Um grenzenlose Fantasie. Und um Mut.

Was hat er sich nur dabei gedacht? Bei diesen Wimmelbildern für Erwachsene, beim Po mit den Beinen, beim Messer zwischen riesenhaften Ohren, beim Waldmenschen, der freundlich und direkt aus dem Bild herausschaut, bei fliegenden Fischen und einem Satan, der Menschen frisst und gleich wieder ausscheidet. Unheimlich? Auch. Aber auf eine eigentümliche Art und Weise wissend und anrührend zugleich, Kunst, die auch nach 500 Jahren im digitalen Zeitalter berührt und nachdenklich stimmt, mehr noch: gegen die Wesen, die Bosch sich ausdachte, sind viele gegenwärtige Horrorgestalten Kindergeburtstag. In Zeiten blutrünstiger Filmwerke und bluttriefender, hochgradig grausamer Kriminalromane aktueller denn je. Bosch könnte sich problemlos einreihen ins Jetzt und wäre auch heute noch erfolgreich. Ein Visionär, Fantast, Ausnahmekünstler.

Ob er sich mutig gefühlt hat? Denn Mut kommt als zweites in den Sinn, wenn man die Werke betrachtet, Mut, das zu malen, was man dort sieht. Getümmel, Menschen, Mord, paradiesische Zustände, Tiere und Früchte, das pralle Leben und Folter und Gräuel. Ein Nebeneinander, das erschauern lässt, aber nur kurz, zu dicht ist die Darstellung und regt an zum Nachdenken über die Polarität des Lebens, das mittelalterliche Selbstverständnis, auch die mittelalterliche Demut. Abbild und Mahnung zugleich, aber so etwas musste man damals erst mal auf die Leinwand bringen. Sich trauen, Szenen zu malen, die Schauer verursachen und Furcht und Schrecken und gerade wegen ihrer Perfektion und Meisterschaft verführen, den Blick nicht abzuwenden, sondern hinzuschauen. Und doch hat Hieronymus Bosch den Menschen viel zugemutet und tut es immer noch. Mutig.

Das ist es, was den Gegenwartmenschen fasziniert: er hat sein Ding gemacht, so wie er es für richtig hielt. Und was er sich dabei gedacht hat? Wir werden es nie erfahren. Auch das hat seinen Reiz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s