Zutrauen – Klarheit

Eigentlich. Wer hat dieses Wort bloß erfunden? Es könnte alles so schön sein, aber eigentlich… möchte ich dieses Buch nicht weiterlesen, möchte ich diesen Joghurt nicht essen, möchte ich diese Verabredung nicht wahrnehmen…  würde eigentlich lieber schwimmen als joggen, lieber faulenzen als bügeln, lieber helfen, statt nur zuzuschauen …  tja, eigentlich würde ich gerne ein ganz anderes Leben führen. Persönliche Klarheit ist etwas anderes.

Und doch ist dieses Wort nicht wegzubekommen, benutzen es viele, die nicht anecken wollen, die nicht genau wissen, was sie wollen oder es vielleicht wissen, aber nicht sagen wollen. „Eigentlich nicht“ statt Nein, „eigentlich schon“ statt Ja. Was für ein riesiger Unterschied, sprachlich und atmosphärisch, so beliebig in der Absage wie in der Zustimmung. Schlimmer noch, dieses Wort signalisiert Diskussionsbereitschaft, die eigentlich gar nicht besteht.

Eigentlich, das ist die wortgewordene Warteschleife der persönlichen Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse. Dabei bedeutet es „in Wirklichkeit, im Grunde“, oder „in echt“. Das ist der Schlüssel. Wenn man das erkannt hat, ist der Weg zu mehr persönlicher, innerer Klarheit nicht weit. Dann kann dieses Wort als Marker fungieren, zu zeigen, was einem wirklich wichtig ist. Wie das?

Denken bestimmt die Worte und Worte bestimmen das Denken, auch Framing genannt. Eine Anregung für einen Versuch: in den nächsten drei Wochen das Wort „eigentlich“ herunterschlucken, immer dann, wenn es auf der Zunge liegt. Und überlegen, was man gerade sagen wollte und warum man es verschleiert und relativiert. Was einen hindert zu sagen oder zu tun, was man „eigentlich“ sagen oder tun will. Mancher entdeckt dabei eine Rücksichtnahme, die das Gegenüber schützen soll. Das kann gut sein, angebracht, den Grundsätzen von Menschlichkeit und Höflichkeit entsprechen. Und darf dennoch hinterfragt werden. Mancher könnte dabei aber auch Angst entdecken, Sorge, sich seiner eigenen Vorstellungen gewahr zu werden oder für sie einzustehen. Und das dürfte zum Nachdenken anregen.

Was hat Klarheit nun mit Zutrauen zu tun? Eine Menge. Wer über seine eigenen Vorstellungen und Wünsche im Unklaren ist oder sie nicht formulieren kann, wird Schwierigkeiten haben, Zutrauen zu entwickeln. Wie auch, die Basis fehlt, es gibt keinen Nährboden für Zutrauen, keinen Ankerpunkt in eigenen Überzeugungen. Der Weg zu mehr Klarheit ist ein erster und ganz persönlicher Schritt zu mehr Zutrauen. Der sich bewusst im Mikrokosmos abspielt, aber letztlich Auswirkungen hat auf das Zutrauen im großen Ganzen.

Von der Klarheit zum Zutrauen, ein großer Schritt? Eigentlich nicht.

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