Zutrauen – Serendipität

Was für ein Wort: Serendipität, engl. serendipity. Es erlebt gerade einen Aufschwung, auch wenn es eine Einstellung beschreibt, die es immer schon gab: ein Nicht-Suchen und doch finden, ein Nicht-Eingreifen und doch erhalten, ein Nicht-zielgerichtet-Handeln und doch erreichen. Im Großen die ungeplante Entdeckung Amerikas und des Penicillins, im Persönlichen eine Methode der Lebensführung, die dem glücklichen Zufall Raum gibt und der großes Zutrauen innewohnt.

Sie entsteht aus der Erkenntnis heraus, dass durch Denken und Handeln nicht alles zu kontrollieren ist. Und allein der Versuch übermäßiger Kontrolle überaus anstrengend sein kann, selbst- und fremdschädigend. Der Verstand versucht im Denken zu greifen, was nicht zu greifen ist, und kann doch das Leben nicht lösen. Durch Handeln scheint vieles möglich und bleibt doch unerreichbar, egal, wieviel Mühe aufgewendet wird. Wird beides im Übermaß betrieben, Denken und Handeln, fehlt Raum für spontane Entwicklung.

Also heißt es, in Vorleistung zu gehen: Denken, Grübeln, Analysieren verabschieden. Handeln, Antreiben, Vorantreiben auf ein notwendiges Maß beschränken. Und den Rest sich selbst überlassen, nämlich den Dingen Gelegenheit geben, sich zu entwickeln. Raum schaffen.

Das ist Zutrauen pur. Was für eine Herausforderung.

Die Dinge laufen lassen, einen Schritt zurücktreten – ist das eine Absage an Leistung und Exzellenz? Aber nein, im Gegenteil. Denn es bedeutet nicht, nur noch halbherzig zu agieren oder im Mittelmaß zu verweilen. Es bedeutet, das Erforderliche in bestmöglicher Art und Weise zu tun, mit ganzem Herzen und allem Können, aber ohne Absichten, die über das bloße Handeln hinausgehen. Und dann loslassen und den Dingen Raum geben.

Konkret bedeutet das etwa, im Privaten persönliche Ziele definieren und dann loslassen. Schauen, was sich ergibt. Beruflich bestmögliche Ergebnisse zu produzieren und nicht anhaften. Schauen, was das bewirkt. Freundschaften und Netzwerke zu pflegen und ohne Druck zusehen, was sich entwickelt. Partnerschaft leben und bei sich bleiben. Schauen, wie sich das auswirkt.

Serendipität, was für ein wunderbares Wort. Das es noch nicht in den Duden geschafft hat, aber in das ein oder andere Lebensgefühl. Voller Zutrauen.

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