Zutrauen – There is a crack…

„There is a crack in everything, that’s how the light gets in.“ Leonard Cohen hat uns einen wunderbaren Satz geschenkt, der so viel weiter reicht, als der erste Eindruck vermuten lässt. Er ist tröstlich und spendet schon deshalb Zutrauen. Ich darf darauf vertrauen, dass der Riss, der Hoffnungsschimmer irgendwo ist. Aber ich muss mich bewegen, um ihn zu entdecken, muss mich umschauen. Das ist der große Unterschied zum „Licht am Ende des Tunnels“. Das mag kommen, wenn ich den Tunnel nur lange genug durchschreite. Den Riss zu finden, den Hofffnungsschimmer, dafür muss ich vorher aktiv werden. Bevor ich ganz durch den Tunnel gerobbt bin.

Hat das etwas mit Optimismus oder Pessimismus zu tun, dem halbvollen oder halbleeren Glas? Nur am Rande. In der sog. Positiven Psychologie werden zwei Parameter in Beziehung gesetzt: Zeit und Raum. Menschen, die permanente („immer“) und universelle („überall“) Erklärungen für gute Lebensereignisse, jedoch temporäre (zeitlich begrenzte) und spezifische (räumlich begrenzte) Erklärungen für schlechte Lebensereignisse haben, erholen sich von Problemen rascher als andere.* Oder anders: Zuversicht bringt dem Einzelnen die Einstellung, dass alles Gute permanent und universell und alles Schlechte temporär und spezifisch ist. Und da wären wir wieder: „There is a crack…“

Was aber beeinflusst die eigene Einstellung? Vieles. Die eigene Erfahrung, das eigene Erleben, Prägungen, Kindheit, die Umwelt. Kann ich das in Frage stellen oder ändern? Natürlich. Ein großer Schritt und oft nicht einfach, aber die Zauberworte heißen Selbsterkenntnis und Eigenverantwortung. Der erste Schritt ist, seine eigene Einstellung überhaupt zu erkennen. Der zweite Schritt ist, für seine eigene Einstellung aktiv die Verantwortung zu üernehmen. Und sie zu überprüfen oder zu verändern, vor allem wenn man darunter leidet. Sobald Mensch die Opferperspektive hinter sich lässt und in gesunder Eigenverantwortung wächst, ist vieles möglich.

Die Option, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, besteht immer. Im Chinesischen setzt sich das Zeichen für „Krise“ zusammen aus Teilen der Zeichen für „Gefahr“ und für „Chance“. Die erste Empfinden ist sicherlich oft „Gefahr“. Der Fokus auf „Chance“ jedoch kann Katalysator sein, so schwer das am Anfang auch fallen mag. Behutsame Unterstützung hilft dabei, sei es bei beruflichen Krisen oder privaten Problemen oder auch im Rahmen einer Trennung.

„There is a crack in everything, that‘s how the light gets in.“, das ist schon ganz schön viel Zutrauen. Sich umschauen, umsehen, aktiv werden, Eigenverantwortung übernehmen. Schafft noch mehr Zutrauen.

Anmerkung:

* Martin E.P. Seligman, Der Glücksfaktor, 10. Aufl. Köln 2014, S. 159. (Der englische Titel ist genauer: Authentic Happiness: Using the New Positive Psychology to Realize Your Potential for Lasting Fulfillment).

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